Methode und Vorgehen: Systemanalyse, Szenarien, Computersimulation und Folgenabschätzung

Die vorliegenden Bevölkerungsprognosen auf Gemeindeebene (der Statistischen Landesämter o.a.) basieren auf stark vereinfachten Modellrechnungen sowie zufällig ausgewählten Fortschreibungen einer vergangenen Entwicklung (Komplexreduktion). Dabei werden die politischen Handlungs- und Steuerungsmöglichkeiten nicht dargestellt und nicht berücksichtigt. Folglich weicht die tatsächliche von dieser prognostizierten Bevölkerungsentwicklung erheblich und zudem chaotisch ab. Ein kleinräumiges Herunterbrechen dieser Prognosen potenziert diese Fehler und Mängel. Daraus lassen sich keine Aussagen zum Gemeinbedarf oder Daseinsvorsorge ableiten. Eine permanente Fortschreibung oder Aktualisierung steht im Widerspruch zu einer mittel- und langfristigen Planung. Ohne Kenntnis der dynamisch ablaufenden Prozesse ist es grundsätzlich nicht möglich, irgendwelche Aussagen zum Verhalten des System zu treffen.

Bei komplexen Systemen ist eine Einschätzung der möglichen Entwicklungen mit Hilfe eines verhaltenserklärenden, strukturgültigen, computerisierten Simulationsmodells möglich. Kennzeichen komplexer Systeme sind nicht lineare Wirkungszusammenhänge, Rückkoppelungen, Speichereffekte usw.. Die Bevölkerungsentwicklung weist jedes dieser Kriterien auf. Ausgang für jede Simulation ist die Formulierung eines Modells der zu betrachtenden Wirklichkeit. Diese Modelle werden zunächst nur verbal umschrieben, dann in mathematische Regeln gefasst und in eine Programmiersprache übersetzt. Anschließend wird die Gültigkeit des Modells anhand der bisherigen Entwicklung überprüft. Mit der strukturgetreuen Beschreibung des Systems, den Daten für seinen Anfangszustand und der Vorgabe externer Einwirkungen über den interessierenden Zeitraum in Form von mehreren Szenarien ist es dann möglich, die jeweils zu erwartenden Entwicklungen zu ermitteln.

 

Modell der natürlichen Bevölkerungsbewegungen - kramergutachten.de

 

Die Bevölkerungsentwicklung wird durch politische Entscheidungen und Maßnahmen wesentlich beeinflusst. In der Praxis der Bedarfs- und Folgenabschätzung wird die Vielfalt der möglichen Kombinationen dieser externer Einwirkungen in 'Szenarien' zusammengefasst. Ein Szenario steht dabei unter einer bestimmten Leitidee, an der sich die Auswahl der Art und Stärke der äußeren Einwirkungen orientiert. Diese Leitidee, in der Kurzbeschreibung des Szenarios und meist auch in seinem Titel festgehalten, bestimmt die Grundzüge der externen Entwicklung und wird benutzt, um einen im Rahmen dieser Grundannahmen plausiblen und in sich konsistenten Satz von externen Parametern abzuleiten. Die Annahmen des Szenarios sollten relativ bruchlos an die historische Entwicklung anknüpfen. Mit der strukturgetreuen Beschreibung eines Systems, den Daten für seinen Anfangszustand und der Vorgabe externer Einwirkungen über den interessierenden Zeitraum in Form von Szenarien ist es im Prinzip möglich, die zu erwartende Entwicklung zu beschreiben. Erst so wird der politische Einfluss und werden die Handlungs- und Steuerungsmöglichkeiten auch auf die Bevölkerungsentwicklung sichtbar, einschließlich der daraus resultierenden Folgen. Szenarien sind demokratische Hilfsmittel auf dem Weg in eine selbstbestimmte und gestaltete Zukunft.

 

Szenarien - kramergutachten.de

 

Ohne Kenntnis der Wirkungszusammenhänge und der dynamisch ablaufenden Prozesse ist es grundsätzlich nicht möglich, irgend welche Aussagen zum Verhalten eines Systems zu machen. Aufgabe ist es, die gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge zu analysieren und dann die politischen Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

 


 

Zusammenfassung

Bevölkerung - ein System mit

Dies führt zu Veränderungen im Laufe der Zeit. Das System zeigt ein dynamisches Verhalten.

Die Akteure beeinflussen die Entwicklung. Ihre Eingriffsmöglichkeiten sind in Szenarien, die daraus resultierenden Konsequenzen sind in einer Folgenabschätzung darzustellen.

Die geeignete Methode ist die Computersimulation auf Basis eines strukturgültigen und verhaltenserklärenden Modells des Systems der Bevölkerungs- und Wohnungsbestandsentwicklung.

Vorgehen bei der Entwicklung eines Computersimulationsprogrammes :

Handlungsmaxime bei der Entwicklung von Szenarien:

 

Erläuterungen von Systembegriffen am Beispiel eines Wasserspeichers

Systembegriffe - kramergutachten.de

Zustandsgröße ist der Wasserinhalt. Zustandsveränderungen ergeben sich aus endogenen Prozessen, deren Verläufe vom Systemzustand selbst abhängig sind (hier der Abfluss, der von der Höhe des Wasserspiegels über der Öffnung abhängt: Rückkopplung der Zustandsveränderung mit dem Zustand) und exogenen Prozessen, auf die das System keinen Einfluss hat (hier: Ventilregelung durch Entscheidungsverhalten eines Akteurs und stochastisch auftretenden Niederschläge). Um trotz der unbekannten exogenen Einflüsse Systemberechnungen durchführen zu können, müssen hierüber Szenario-Annahmen getroffen werden. Außerdem muss für die Berechnungen der Anfangszustand bekannt sein.

 


 

Weitere Informationen

Darstellung und Kritik der gängigen Prognosen gibt es auf der Internetseite: Bevölkerungsprognose

Peter H. Kramer: Politische Absicht und Aussagewert der Bevölkerungsprognosen der Bertelsmannstiftung u.ä.
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Peter H. Kramer: Politische Absicht und Aussagewert der "amtlichen" Bevölkerungsvorausberechnungen (der statistischen Landesämter usw.)
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Peter H. Kramer: Der demographische Wandel: weniger, bunter, älter? Eine kurze Anmerkung zu der häufig unüberlegt gebrauchten Phrase.
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Leseempfehlung zum Thema Systeme: "Modellbildung, Analyse und Simulation komplexer Systeme" von Prof. Dr. Hartmut Bossel, Berlin 2004

Die leicht überarbeiteten nach wie vor aktuellen Erläuterungen aus den Anfangsjahren zur Methode der Systemanalyse und Simulation wurde dem Bericht zum Forschungsprojekt "Technikfolgenabschätzung für die landwirtschaftliche Produktion" von Prof. Dr. Hartmut Bossel; Dipl.-Ing. Peter H. Kramer u.a. entnommen. Die zumeist in Klammern gesetzten Ergänzungen erfolgten 1997. Der vollständige Bericht wurde als Bundestagsdrucksache 10/6801, Band V, 1987 veröffentlicht (Enquete-Kommission „Einschätzung und Bewertung von Technologien; Gestaltung von Rahmenbedingungen der technischen Entwicklung).

Die hier dargestellte Computersimulation und die Entwicklung von Szenarien im Bereich der Bevölkerungs- und Kommunalentwicklung knüpft methodisch an die Technikfolgenabschätzung (TA) an. In der „klassischen“ TA wird allerdings häufig noch immer der Begriff Prognose verwendet. Im vorliegenden Fall ist der Gestaltungsanteil jedoch so groß und ist die Bewertung derart relevant, dass der Prognosebegriff den politischen Gestaltungsspielraum unzulässig stark einschränken würde, sodass er hier nicht mehr angewandt wird. Peter H. Kramer ist Mitautor der Studie "Technikfolgenabschätzung für die landwirtschaftliche Produktion" der Enquetekommission "Technikfolgenabschätzung und -bewertung" des 10. Deutschen Bundestages , "Perspektiven zur Zukunft der Landwirtschaft" der Enquete-Kommission "Technikfolgenabschätzung und -bewertung" des 11. Deutschen Bundestages, „Veränderungstendenzen im Ernährungssystem und ihre klimatische Relevanz“ der Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" des 12. Deutschen Bundestages, „Future Prospects of Agriculture in the New German Bundesländer“ des European Parliament, Scientific and Technological Options Assessment (STOA).

Leseempfehlung zum Thema Technikfolgenabschätung: "Technik, Folgen, Abschätzung" (APuZ, 64. Jahrgang, Heft 6-7, Februar 2014)

 

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